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Zeichen setzen
Vom 21. Januar bis 17. Februar wählen die IHK-Mitgliedsunternehmen ihre neue Wirtschaftsvertretung / Ein Interview mit IHK-Präsident Hans-Joachim Tonnellier über die Wahlen zur Vollversammlung

„Unternehmer, die Zeichen setzen“ - mit diesem Motto werben neun hessische Industrie- und Handelskammern (IHKs) für die Wahlen zu den Vollversammlungen vom 21. Januar bis zum 17. Februar 2009. In diesem Zeitraum sind auch die IHK-Mitgliedsunternehmen in Frankfurt, dem Hochtaunuskreis und dem Main-Taunus-Kreis aufgefordert, ihr regionales „Parlament der Wirtschaft“ zu wählen.

Herr Tonnellier, in der IHK-Vollversammlung vertreten 89 Unternehmerinnen und Unternehmer die regionale Wirtschaft. Wozu wird das benötigt?

Tonnellier: Die IHK Frankfurt vertritt die Interessen aller 95 000 Gewerbetreibenden in der Region gegenüber der Politik. Zudem erfüllt sie Aufgaben, die ihr per Gesetz übertragen wurden getreu dem Motto: Das soll die Wirtschaft selber regeln, das kommt dann für alle günstiger. Genau diese Selbstverwaltung erreichen wir über unser Unternehmerparlament: Es wählt das Präsidium, bestimmt die Arbeitsschwerpunkte, beschließt den Haushalt und schafft ein Meinungsbild zu den wichtigsten Standortfragen.

IHKs werden gelegentlich als Wirtschaftsbehörden angesehen. In Wirklichkeit sind die IHKs aber unabhängig. Wie beschreiben Sie das Verhältnis zu Politik und Verwaltung?

Eine IHK ist keine Behörde, sondern ein Dienstleister im doppelten Sinne: Wir beraten die Politik, die Verwaltung und unsere Mitglieder. Die Politiker und Verwaltungen in den Gemeinden und auf Landesebene schätzen unsere Meinung. Wir können ihnen sagen, was die Wirtschaft insgesamt denkt. Die IHK ist eben keine Lobbygruppe mit eingeschränktem Blickwinkel. Bei uns kommen Unternehmerinnen und Unternehmer aus allen Branchen zusammen und formulieren gemeinsam, was das Beste für den Standort ist. Wir informieren zudem unsere Mitglieder, beispielsweise bei Fragen rund um die Ausbildung, rechtlichen und steuerlichen Fragen oder beim Außenhandel.

Müssen Unternehmerinnen und Unternehmer bestimmte Kenntnisse über die Politik in der Region, die Wirtschaftsstruktur oder die IHK besitzen, um gewählt zu werden?

Wir brauchen Leute, die sich mit der Region identifizieren und das Gesamtinteresse aller Gewerbetreibenden vertreten wollen. Es gibt also keine Fachkundeprüfung vor der Wahl. Gesunder Menschenverstand, unternehmerisches Denken und Freude am besseren Argument reichen vollkommen aus.

Wie viel Zeit sollte jemand für das Ehrenamt mitbringen?

Die Vollversammlung trifft sich zumeist viermal im Jahr für je zwei bis drei Stunden. Darüber hinaus sind viele Vollversammlungsmitglieder auch in den Branchenausschüssen der IHK aktiv. Hier werden branchenspezifische Themen erörtert und teilweise für die Vollversammlung vorbereitet. Der Aufwand hält sich also in Grenzen. Zudem kommen über das IHK-Netzwerk oft interessante, lohnende Kontakte zustande.

Wer sitzt denn gegenwärtig in der Vollversammlung? Wie stark ist die Stimme des Mittelstandes?

Dreiviertel der Vollversammlungsmitglieder kommen aus kleinen oder mittelständischen Unternehmen. Das macht schon sehr deutlich, dass die IHK sich gerade für solche Unternehmen einsetzt. Große Konzerne können sich fast jederzeit Gehör bei der Politik verschaffen. Die kleinen und mittleren Unternehmen profitieren deshalb am meisten von der IHK-Arbeit: Gemeinsam machen wir uns stark für ihren Erfolg.

Über was wurde in den vergangenen viereinhalb Jahren debattiert und entschieden?

Das könnte eine lange Liste werden, deshalb beschränke ich mich auf drei Beispiele: den IHK-Beitrag, das Thema Ausbildung und die Weiterentwicklung der Region. Zunächst zum IHK-Beitrag. Die Unternehmen erwarten, dass die IHK den Grundsätzen der Sparsamkeit und Effizienz folgt; darauf wird ganz genau geschaut. Deshalb ist es uns gelungen, die Grundbeiträge zu senken und das, obwohl die Mitgliedszahlen um rund 16 000 Unternehmen gestiegen sind und der Gesetzgeber uns auch in den vergangenen Jahren immer neue Aufgaben übertragen hat. Kleine Unternehmen entrichten im Jahr 2008 nur noch einen Grundbeitrag von 40 beziehungsweise 60 Euro. Das ist die IHK allemal wert. Übrigens: Fast die Hälfte der Mitglieder zahlt überhaupt keinen Beitrag, weil sie Existenzgründer sind oder zu geringe Erträge haben.

Soviel zum lieben Geld - und was ist mit den Inhalten?

Thema Ausbildung: Die IHK Frankfurt wirbt bei ihren Mitgliedsunternehmen für neue Ausbildungsplätze, denn die duale Ausbildung sichert den Fachkräftenachwuchs in der Region. Seit dem Jahr 2004 konnten über 23 000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist seit 2004 pro Jahr um zehn Prozent gewachsen. Die Vollversammlung hat sich immer wieder mit der Dualen Ausbildung und dem Fachkräftenachwuchs befasst und das zu einem Ziel der IHK-Arbeit gemacht: Jeder ausbildungswillige und -fähige Jugendliche in unserem Bezirk soll einen Ausbildungsplatz angeboten bekommen.

Sie hatten auch das Stichwort „Weiterentwicklung der Region“ genannt.

Dieses Thema war ein Dauerbrenner in den letzten Jahren. Wir haben uns dezidiert mit der Bevölkerungs- und Immobilienentwicklung befasst, denn der demografische Wandel und die Flächenpotenziale sind zwei wichtige Determinanten für die Chancen der Region. Wir haben den Gemeinden zudem verdeutlichen können, dass die Gewerbesteuer ein wichtiger Standortfaktor für die Region ist. Viele Kommunen haben auch deshalb ihre Hebesätze gesenkt, beispielsweise Frankfurt, Schwalbach, Weilrod, Steinbach oder Eschborn. Viele unserer Mitglieder konnten dadurch etliche Euros sparen.

Ein anderes Thema war der Streit innerhalb der IHK im ersten Halbjahr 2007, der zum Rücktritt mehrerer Präsidiumsmitglieder geführt hat. Wie hat sich das auf die Arbeit innerhalb der Vollversammlung ausgewirkt?

Ich bin jetzt knapp anderthalb Jahre im Amt, habe mit zahllosen Meinungsbildnern innerhalb und außerhalb der IHK gesprochen. Seither haben fünf Sitzungen der Vollversammlung mit einem umfangreichen Arbeitsprogramm stattgefunden, die anstehenden Themen werden sachgemäß angepackt. Daher kann ich klar sagen: Die Sacharbeit geht im Parlament der Wirtschaft zügig und vertrauensvoll voran.

Vom 21. Januar bis 17. Februar 2009 sind über 95 000 Mitgliedsunternehmen im IHK-Bezirk aufgerufen, die neue IHK-Vollversammlung zu wählen. Was erwarten Sie von der Wahl?

FrankfurtRheinMain ist einer der leistungsfähigsten Wirtschaftsstandorte in Deutschland. Gemeinsam müssen wir die Region weiterentwickeln und unser Profil schärfen, um unsere Wettbewerbsposition langfristig zu stärken und auszubauen. Das schaffen wir nur gemeinsam, mit vereinten Kräften und einer starken Interessenvertretung. Deshalb wünsche ich mir, dass möglichst viele Unternehmerinnen und Unternehmer ihr Wahlrecht nutzen und mit Ihrer Stimme ein deutliches Zeichen setzen.  


Das Gespräch führte
Reinhard Fröhlich
Geschäftsführer
IHK Frankfurt am Main
Unternehmenskommunikation


Hans-Joachim Tonnellier, Präsident der IHK Frankfurt: „FrankfurtRheinMain ist einer der leistungsfähigsten Wirtschaftsstandorte in Deutschland. Gemeinsam müssen wir die Region weiterentwickeln und unser Profil schärfen, um unsere Wettbewerbsposition langfristig zu stärken und auszubauen. Das schaffen wir nur gemeinsam, mit vereinten Kräften und einer starken Interessenvertretung.“

Foto: Jochen Müller


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Dezember 2008

 
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